Hans-Georg Gadamer

Artikel auch der aktuellen "Zeit": Im Versuchslabor der AfD, DIE-ZEIT-22-2026-13.05.2026[29].pdf

Ich schimpfe innerlich laut und wütend. Seit Jahren vermisse ich in den Feuilletons den Namen des grossartigen Philosophs Hans-Georg Gadamer (1900 - 2002), der meiner Meinung nach uns die geniale, beste, aktuellste Definition der Kunst vor 50 Jahren lieferte: Kunst ist Spiel, Symbol und Fest ("Die Aktualität des Schönen", 1972). Nun finde ich seinen Namen endlich einmal in der Presse: Aber als verehrter Philosoph des verdammten, effizientesten intellektuellen Kopfes der Deutschen Rechtsextremen, dem Hans-Thomas Tillschneider. Was soll die furchtbare Verirrung?!.....

Die K.I. gibt eine aufschlussreiche Antwort, wie es mir scheint:

Prompt:

Anscheinend wird der Philosoph Hans-Georg Gadamer von rechts-extremistischen Intellektuellen hochgeschätzt: warum?

Gemini:

Dass der renommierte Philosoph Hans-Georg Gadamer (1900–2002), der Begründer der modernen philosophischen Hermeneutik (der Lehre vom Verstehen), ausgerechnet in intellektuellen Kreisen der Extremen Rechten bzw. der „Neuen Rechten“ geschätzt wird, überrascht auf den ersten Blick. Gadamer selbst galt zeit seines Lebens als liberal-konservativer, zutiefst bürgerlicher und dialogorientierter Denker. Seine Maxime lautete stets: „Man muss immer damit rechnen, dass der andere recht haben könnte.“

Die Vereinnahmung durch rechte Intellektuelle speist sich nicht aus einem vermeintlichen Extremismus Gadamers, sondern aus einer gezielten, selektiven Lesart seiner philosophischen Grundbegriffe aus seinem Hauptwerk Wahrheit und Methode (1960).

Drei zentrale Aspekte machen Gadamers Denken für die Neue Rechte besonders anschlussfähig:

1. Die „Rehabilitierung“ des Vorurteils

Die Aufklärung versuchte, Vorurteile als rationale Fehler auszumerzen. Gadamer hielt dagegen: Kein Mensch begegnet der Welt oder einem Text wie ein unbeschriebenes Blatt. Wir alle sind durch unsere Herkunft, Sprache und Kultur geprägt. Er sprach von legitimen „Vorurteilen“ als Bedingungen des Verstehens.

2. Tradition und Autorität statt tabula rasa

Gadamer betonte, dass wir immer in einer geschichtlichen Kontinuität stehen. Er kritisierte den naiven Glauben, man könne sich radikal von jeglicher Tradition lossagen. Tradition und die Autorität von Überlieferungen sind für ihn tragende Säulen der menschlichen Existenz.

3. Kritik an Aufklärung und Universalismus

Gadamer kritisierte die Verabsolutierung der naturwissenschaftlichen Methode und den Anspruch einer universellen, rein abstrakten Vernunft, die lokale Besonderheiten ignoriert.